Erzeuger von Biowein wurden noch vor 20 Jahren allgemein als „grüne Spinner“ betrachtet. Seither sind die ökologisch bewirtschafteten Weinbergflächen auf 2 – 3 % der Gesamtanbaufläche gewachsen. Auch das Bild in der Öffentlichkeit hat sich aufgrund der überdurchschnittlichen Bioweinqualität verbessert. Doch noch immer scheuen sich ökologisch arbeitende Topwinzer, sich durch einen Hinweis auf den Flaschenetiketten, als Biowinzer zu „outen“.
Obwohl der Begriff „Biowein“ allgemein gebräuchlich ist, entspricht er nicht der offiziell vorgegebenen Bezeichnung, wonach er als „Wein aus ökologisch erzeugten Trauben“ genannt werden müsste.
Bewirtschaftung
1. Konventioneller Anbau
Ziel der konventionellen Landwirtschaft ist die effiziente Produktion von Lebensmitteln und Industrierohstoffen. Zur Produktivitätssteigerung nutzt die konventionelle Landwirtschaft jeden sinnvollen technischen Fortschritt, wie Kunstdünger, Spritzmittel etc.
2. Integrierter AnbauAnbau
Die Integrierte Produktion ist in ihrer Wirtschaftsweise und Ideologie etwa zwischen dem konventionellen und dem ökologischen Anbau angesiedelt und versucht, ein Gleichgewicht zu finden zwischen ökologischer Verträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Ziel ist eine standortgerechte, umfassende, möglichst naturnahe Bewirtschaftung. Trotz vorhandener Produktionsrichtlinien fehlen wegen der flexiblen Auslegung der Grundsätze detaillierte rechtliche Vorgaben und Mindeststandards.
3. Ökologischer Anbau (BIO)
Die Begriffe ökologischer (oder biologischer) Anbau bezeichnen die Herstellung von Nahrungsmitteln auf der Grundlage möglichst naturschonender Produktionsmethoden unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Ökologie und des Umweltschutzes.
So verzichtet die ökologische Landwirtschaft:
- auf alle synthetischen Wachstumsförderer (Kunstdünger) und leicht löslichen Mineraldünger. Die Nährstoffversorgung der Rebe erfolgt ausschließlich über Begrünung zwischen den Rebzeilen. Es werden Pflanzen verwendet, die in der Lage sind, den Luftstickstoff zu binden (Leguminosen an deren Wurzeln die Knöllchenbakterien leben), wie z.B: Klee, Wicke und Wildkräuter (Phacelia, Ringelblume, Schafgarbe, Wilde Möhre, Fenchel, Buchweizen). Diese vielartige Begrünung schafft ein stabiles Ökosystem, welches die Nährstoffe im Boden aufnimmt und der Rebe zur Verfügung stellt. Die Begrünung wird gemäht und gemulcht oder je nach Stickstoffversorgung auch nur niedergewalzt. Nur falls die so erschlossenen Nährstoffe nicht ausreichen, werden noch organische Dünger, wie Bio-Komposte oder Mist ausgebracht.
- auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide (Fungizide, Herbizide, Insektizide). Gegen den „Echten + Falschen Mehltau“ werden Schwefel, Tonerdepräparate, Fenchelöl und Kupfer (Bordeauxbrühe) sowie Pflanzenstärkungsmittel verwendet.
Detaillierte Richtlinien (EG-Öko-Verordnung 2092/91) garantieren die Verwirklichung der Grundsätze und geben Mindeststandards für die Produktion und Verarbeitung von ökologischen Erzeugnissen vor. Biowein müssen die Bezeichnung „aus biologischem Anbau“ oder „aus biologischer Landwirtschaft“ tragen.
Detaillierte Richtlinien (EG-Öko-Verordnung 2092/91) garantieren die Verwirklichung der Grundsätze und geben Mindeststandards für die Produktion und Verarbeitung von ökologischen Erzeugnissen vor. Bio-Wein müssen die Bezeichnung „aus biologischem Anbau“ oder „aus biologischer Landwirtschaft“ tragen. Details ein-/ausblenden
4. Biologisch-dynamischer Anbau (z.B. Demeter)
Der bio-dynamische Landbau geht auf den österreichischen Antroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) und seine Arbeit: "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" zurück und stellt eine Extremform des ökologischen Anbaus dar. Man begreift die Natur (jeden Weinberg) als lebenden Organismus, der so gepflegt werden kann, dass er sich selbst erhält und im Gleichgewicht ist. Im Unterschied zum Ökologischen Landbau werden zusätzlich sogenannte „Präparate“ in homöopathischen Mengen verwendet und die "kosmischen Rhythmen" vom Mond und Planeten berücksichtigt. Eine zentrale Rolle spielt das Präparat Hornmist (setzt die Pflanze in eine bessere Beziehung zur Erde): Kuhdung, der in einem Horn vergraben einen Winter Zeit bekommt, kosmische Kräfte zu sammeln, das verrühren mit Wasser (dynamisieren) der Präparate erfolgt aus Überzeugung von Hand. Das so „dynamisierte“ Präparat werden zu ganz bestimmten Zeiten auf Wiesen, Feldern und Gärten fein versprüht, damit es energetisch auf Boden und Pflanzen wirkt. So werden die Böden fruchtbarer, gesünder, lebendiger. Daneben die konsequente mehrmalige Pflege der Reben mit Hornkiesel (verstärkt die natürliche Fähigkeit von Pflanzen Sonnenenergie aufzunehmen), oder zur Stärkung der Pflanzen (Schafgarben-, Kamillen-, Brennnessel-, Eichenrinde-, Löwenzahn- und Baldrianpräparate), Spezialpräparate wie Schachtelhalm-Tee und die sogenannten Aschenpräparate zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft erhebt den Anspruch, durch den Einsatz der Präparate den Pflanzen eine andere spezifische Qualität zu ermöglichen. Dieses Konzept weist Ähnlichkeiten zu dem der Homöopathie im Bereich der Medizin auf, die dem Körper keine direkte Hilfe, sondern "Hilfe zur Selbsthilfe" geben will. Bio-dynamische Weinbau ist -kurz gesagt - mehr als nur das Weglassen von Chemie.
Als absoluter Guru und Pionier des biodynamischen Weinbaus gilt der französische Loire-Winzer Nicolas Joly mit seinem Weingut Château de la Roche-aux-Moines. Joly bemerkt zum biodynamischen System: „Das Paradox der modernen Landwirtschaftslehre, der Wissenschaft im Allgemeinen, besteht darin, dass man zwar sehr viel weiß, aber kaum verstanden hat, wie das alles miteinander zusammenhängt“. Die Wissenschaft ist bemüht aber Fakten nachzuliefern, das Darmstädter Institut für Biologisch-Dynamische Forschung berichtet, dass die Artenvielfalt, die Menge von Mikroorganismen und der Humusgehalt der bewirtschafteten Böden schon nach einigen Jahren biologisch-dynamischen Anbaus signifikant ansteigt.
Details ein-/ausblenden
Weinverarbeitung
Die Weinverarbeitung ist nicht in der EU-Richtlinie geregelt und unterliegt daher den Vorgaben der einzelnen Verbände (ECOvin, Demeter, etc.). Zum Stabilisieren, Schönen oder Klären dürfen typischerweise nur natürliches Bentonit oder Eiweiss eingesetzt werden, gefiltert wird mit Kieselgur- oder asbestfreien Schichtfiltern. Biowein soll möglichst natürlich erzeugt werden, darum sind Umkehrosmose (entzieht dem Most Wasser) oder Kryoextraktion (Weinkonzentrat aus gefrorenen Trauben) und Maischeerhitzung über 40°C nicht erlaubt. Alle Weinbehandlungsmittel müssen gentechnikfrei hergestellt worden sein. Die Schwefelobergrenzen liegen 1/3 unter den gesetzlichen Höchstwerten.
Schwefel und Kupfer
Enthalten Bio-Weine Schwefel?
Ja, es gibt von Natur aus keinen vollkommen schwefelfreien Wein, da Mikroorganismen im Zuge der alkoholischen Gärung bereits etwa 30 mg Schwefeldioxid pro Liter Wein frei setzen, das ist dann auch der geringste mögliche Schwefelgehalt. Bei der Herstellung von Wein wird Schwefeldioxid als Konservierungsmittel und zur Stabilisierung des Weines eingesetzt. Schwefel hemmt Mikroorganismen wie Hefen und Bakterien und verhindert, dass Wein im Kontakt mit Luftsauerstoff den Geschmack verändert. Es gibt Weine, denen kein zusätzlicher Schwefel zugesetzt wurde, diese sind allerdings nur sehr begrenzt haltbar. Alle gut wirtschaftende Weingüter achten auf gesundes Lesegut, schonende Verarbeitung und behutsamen Ausbau und helfen so Schwefel einzusparen.
Gesetzlich festgelegte Höchstmenge an Schwefel im Wein (gemessen als schweflige Säure):
Für Weine mit weniger als 5 g Restzucker pro Liter gilt:
- 175 mg/l Schwefeldioxid bei Rotwein
- 225 mg/l Schwefeldioxid in Weißwein und Roséwein
Für Weine mit mehr als 5 g Restzucker pro Liter gilt:
- 225 mg/l bei Rotwein
- 275 mg/l für Weiß- und Roséwein
Als Faustregel gilt:
- Rotweine enthalten weniger Schwefel als Weißweine
- Trockene Weine enthalten weniger Schwefel als liebliche
Details ein-/ausblenden
Kupfer und Schwefel auch im ökologischen Weinbau?
Der ökologische Weinbau verfolgt das Prinzip, die Pflanzen durch Pflanzenstärkungs- und Pflegemittel in ihrer Widerstandskraft zu stärken, denn je stärker die Pflanze ist, desto gesünder ist sie auch. Dennoch gibt es Krankheiten, gegen die „kein Kraut“ gewachsen ist. Pilzerkrankungen wie der Falsche Mehltau (Peronospora) und der Echte Mehltau (Oidium) können zu einem totalen Ernteausfall führen. Bei hohem Infektionsdruck hält nur Kupfer (Bordeauxbrühe) den Falschen Mehltau in Schach. Da sich aber Kupfer im Boden anreichert und die Enzymaktivität des Bodens massiv stören kann, dringen die Ökoverbände darauf, Alternativen zu finden und Minimierungskonzepte zu entwickeln. Trotz intensiver Forschungen sind jedoch keine echten Alternativen in Sicht.
Als Höchstwerte dürfen maximal 3 Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr eingesetzt werden. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt aber 6 Kilogramm.
Gegen den Echten Mehltau hilft am schnellsten Schwefel, als Netzschwefel ausgebracht. Zusammen mit abwehrstärkendem Wasserglas (Kieselsäure) oder auch Fenchelöl für eine bessere Benetzung ist er besonders wirksam. Sehr wirkungsvoll ist Natriumbicarbonat, gut bekannt als Backpulver. Auch einige Pflanzenextrakte wie Kräuterauszüge aus Schachtelhalm oder Knöterich zeigen gute Wirkung gegen Echten Mehltau. Details ein-/ausblenden
Bio-Weingüter bei uns im Sortiment:
Weingut Weninger (seit Jg. 2007), die Pannobile-Winzer: Gernot Heinrich, John Nittnaus und Claus Preisinger sowie Fred Loimer, Karl Fritsch und Weingut Jurtschitsch sind in der Umstellungsphase und ab Jahrgang 2009 zertifiziert.
Bio-Verbände und Gütesiegel:
BIO Ernte Austria, ECOvin, Demeter, Bioland, Naturland, Respect.
|